Common Ground – Techno als Friedensbrücke
Nordwest-Irland, frühe 90er. Während die Straßen von Derry noch von den Spätfolgen des Nordirlandkonflikts zittern, brodelt in den Clubs und abgelegenen Scheunen etwas Neues: Bass, Strobe, Gemeinsamkeit. The Troubles, wie der euphemistische Begriff für jahrzehntelangen politischen, religiösen und sozialen Konflikt lautet, hatten Nordirland fest im Griff – Bomben, Besatzung, Checkpoints, Angst.
Und mittendrin: Kids, die tanzen wollen.
Common Ground: An Incomplete History of Rave Culture in the North West of Ireland ist ein Comicbuch, das genau diesen Moment einfängt. Gezeichnet von David Campbell, erzählt es die Geschichte einer Generation, die in Beats, Bässen und Blinklichtern einen Ausweg fand – wenn auch nur für ein Wochenende. Es geht um spontane Partys in leerstehenden Häusern, um DIY-Flyer, britische House-Imports und – ganz wichtig – um Zusammenkommen. Katholiken und Protestanten. Urban und ländlich. Derry und der Rest.
Herausgebracht wurde der Comic anlässlich des 25. Jubiläums von Celtronic, dem vielleicht langlebigsten elektronischen Musikfestival Irlands – das nun zum Abschluss kommt. Kuratiert vom Künstler Jeremy Deller und mit Input vom Festival-Organisator Gareth Stewart, ist „Common Ground“ mehr als ein nostalgischer Rückblick. Es ist ein visuelles Manifest für kulturelle Selbstermächtigung. Mit Edding, Herz und Bassline.
Die Zeichnungen sind rough, roh und randvoll mit Vibes – irgendwo zwischen Fanzine, Tagebuch und Punkästhetik. Man spürt den kalten Beton, das warme Licht und die soziale Reibung, die sich in Schweiß auflöst.
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Wenn Geschichte über Generationen trennt – tanzt man sich halt wieder zusammen. Dieser Comic ist kein Märchen. Aber eine Erinnerung daran, dass Rave mehr ist als Musik. Es ist Widerstand, Gemeinschaft und ganz schön viel Hoffnung.
