Yuji Agematsu – Stadtpoesie im Zigarettenfoliensleeve

New York, Bordsteinkante, ein Stück Zellophan als Mini-Vitrine: Yuji Agematsu sammelt täglich winzige Fundstücke – Fäden, Folien, Splitter – und arrangiert sie zu mikroskopischen Skulpturen. Das sieht aus wie Ikebana aus Straßenstaub: ausbalanciert, zart, und mit diesem leisen Aha, wenn Müll plötzlich Bedeutung trägt. Colossal zeigt eine aktuelle Serie – still, präzise, wunderschön fotografiert.

Agematsu lebt seit 1980 in NYC; seine Praxis ist radikal schlicht: gehen, schauen, aufheben, notieren. Seit Mitte der 90er wandern die Funde in die Cellophanhüllen von Zigarettenpackungen – die berühmten „zips“ – oft zu Kalender-Raster montiert, ein Tagebuch der Stadt im Taschenformat. Im Kern: die Würde des Banalen und wie viel ein Tag erzählen kann, wenn man nahe genug herangeht. Hier wird kein „Trash-Chic“ gefeiert, sondern Aufmerksamkeit: Balance, Material, Zeit. Und weil man nach diesen Bildern anders auf den Gehweg schaut.

Weiterlesen für Kontext über Methode & Geschichte: New Yorker-Porträt (Paywall), BOMB-Interview.